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Trend-Studie: Chinas Investitionsstrategie im deutschen Mittelstand

Chinas Investoren nutzen die Finanzkrise, um insbesondere in Deutschland durch Übernahmen mittelständischer Unternehmen Technologie- und Patentinhaber zu werden. Chinas Regierung hat Interesse an bestimmmten Schlüsseltechnologien.

Für deutsche Ingenieurskunst und Hochtechnologie interessierten sich schon immer ausländische Geschäftspartner. „Jobwunder“ Deutschland wundert viele der 27 EU-Mitgliedstaaten. Während in anderen EU-Ländern Rezession herrscht, stützen die Binnenwirtschaft und die Exporte in Schwellenländern die deutsche Wirtschaft.

[heading style=“1″]Chinesische Unternehmen kaufen[/heading]

Chinesischer Drache
Wenn bald auch wieder weltweit die Wirtschaft anzieht, sieht Deutschland noch besser aus. Kraftvoll, innovativ und diszipliniert – vor allem sehr gut ausgebildet. Davon profitieren immer mehr chinesische Investoren. Sany kauft den deutschen Mittelständler Putzmeister, Technologieführer bei Betonpumpen, und wächst zum Weltmarktführer bei Baumaschinen. Lenovo übernimmt den Elektrokonzern Medion. Weichai Power steigt bei Kion ein, einem der weltgrößten Gabelstaplerproduzenten.

Mit der Übernahme oder Beteiligung an deutschen Technologie- und Marktführer verfolgen chinesische Unternehmen die Sicherung der eigenen Marktposition auf dem chinesischen Markt und/oder den Ausbau der Marktposition auf dem deutschen und europäischen Markt.

Einige chinesischen Unternehmen fokussieren sich mit dem Engagement in einem deutschen Unternehmen auf die Errichtung eines strategischen Brückenkopfes in Europa. Dabei geht es zunächst nicht um den massiven Transfer von geistigem Eigentum oder den umfangreichen Ausbau des Europageschäfts, sondern vielmehr um die Möglichkeit den europäischen und auch den US-amerikanischen Markt zu beobachten und zu verstehen.

 

Entweder die Unternehmen nutzen die Standorte, um dem eigenen chinesischen Management und zum Teil den Mitarbeitern Europaerfahrung zu ermöglichen oder es wird versucht durch deutsche Standorte Zoll- und Einfuhrbestimmungen in die Europäische Union zu umgehen.

[heading style=“1″]Studie über chinesische Investitionsstrategie[/heading]

Wissenschaftler der TU München und Analysten der Munich Innovation Group haben die Vorgehensweise 50 chinesischer Unternehmen in der Studie „China investiert“ untersucht.

Die Forscher stellten fest, dass die Strategie der Übernahmen und Beteiligungen über alle untersuchten Branchen hinweg sehr ähnlich ist:

Zugang zu deutscher Hochtechnologie

Die untersuchten chinesischen Unternehmen sind auf der Suche nach wertvollem Intellectual Property, also unter Rechtsschutz stehendem geistigen Eigentum. Doch in den wenigsten Fällen ziehen die neuen Eigentümer das Know-how einfach nach Asien ab. Stattdessen stärkten mehr als 75 Prozent die deutschen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. In vielen Fällen bleibt das deutsche Management im Unternehmen.

Erweiterung des eigenen Produktportfolios

Mit dem Zukauf erweiterte rund die Hälfte der Firmen ihr Produktportfolio um neue Technologien. Ein weiterer Grund für Übernahmen kann die Erweiterung der Wertschöpfungskette sein, indem vor- oder nachgelagerte Entwicklungs- und Produktionsstufen in die Unternehmen integriert werden.

Sicherung der Marktposition

Mit dem verbesserten Produktportfolio wollen die Unternehmen, vor allem im Maschinenbau und der Elektronikindustrie, ihre Stellung auf dem heimischen Markt verbessern. Aber auch der deutsche und europäische Markt werden in Angriff genommen, indem die neuen Eigentümer mit ihren Neuerwerbungen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ausbauen, neue Vertriebsstandorte gründen und das Kunden- und Logistiknetz erweitern.

Strategische Brückenköpfe in Europa

Einigen chinesischen Unternehmen geht es weniger um den Transfer geistigen Eigentums oder den Ausbau des Europageschäfts. Vielmehr wollen sie die Möglichkeit nutzen, den europäischen und auch den US-amerikanischen Markt zu beobachten und zu verstehen. Darüber hinaus versuchen manche, mittels der deutschen Standorte Zoll- und Einfuhrbestimmungen in die EU zu umgehen.

Prof. Dr. Isabell M. Welpe

Prof. Dr. Isabell M. Welpe

Die Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen ist nicht per se eine Gefahr,

 resümiert Prof. Isabell Welpe vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TUM. „In vielen Fällen war es für das übernommene deutsche Unternehmen eine echte Chance, mit dem starken finanziellen Hintergrund der Investoren Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten zu retten, Technologien weiter zu entwickeln sowie den asiatischen Markt zu erschließen.“

 

 

Link zur kompletten Studie (pdf-Datei Download).

 

(Quelle: Munich Innovation Group GmbH/TU München)

(Fotos: TU München.Ralf Hanke/pixelio.de. Christiane Fengler/pixelio.de. Gerd Altmann/pixelio.de)

 

 

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